Gitarrenbünde erklärt: Bundabnutzung, Bundgrößen (6100, 6105, Super Jumbo) und Edelstahlbünde im Vergleich

Edelstahlbünde sind längst kein Nischenthema mehr, sondern für viele ambitionierte Gitarristen die logische Weiterentwicklung – wer einmal verstanden hat, wie stark Bundmaterial und Bundgröße Spielgefühl, Sound und Haltbarkeit einer Gitarre beeinflussen, schaut beim nächsten Kauf ganz anders auf die Specs. In diesem Artikel erklären wir, wie man Bundabnutzung erkennt, was Bezeichnungen wie 6100, 6105 oder Super Jumbo eigentlich bedeuten – und warum Edelstahlbünde gerade bei hochwertigen Instrumenten immer öfter Standard sind.

Was sind Gitarrenbünde und warum sind sie so wichtig?

Die Bünde (englisch „frets“) sind die schmalen Metallstege auf dem Griffbrett, die die Saite beim Niederdrücken exakt an der richtigen Stelle verkürzen. Klingt simpel, ist aber entscheidend: Form, Höhe, Breite und Material der Bünde bestimmen maßgeblich, wie leicht sich Bendings spielen lassen, wie präzise die Intonation ausfällt und wie lange das Instrument spielbar bleibt, bevor eine Bundierung fällig wird. Gerade bei Custom-Shop- und Boutique-Instrumenten wird die Bundwahl daher genauso sorgfältig getroffen wie die Wahl von Holz oder Pickups.

Bundabnutzung erkennen – die typischen Anzeichen

Jeder Bund nutzt sich durch das Spielen ab, das ist normal und bei einer gut gespielten Gitarre kein Makel. Problematisch wird es erst, wenn die Abnutzung das Spielgefühl oder die Intonation beeinträchtigt. Typische Warnzeichen:

  • Kerben und Dellen in den Bünden, meist an den ersten drei bis fünf Bünden, wo am häufigsten gespielt wird
  • Bundschnarren (Fret Buzz) an bestimmten Lagen, obwohl die Saitenlage korrekt eingestellt ist
  • Ungleichmäßige Tonhöhe bei Bendings, weil die Saite nicht mehr sauber auf dem Bundscheitel aufliegt
  • Sichtbar abgeflachte Bundkronen statt der ursprünglich runden Wölbung

Bei leichter Abnutzung reicht oft ein Fret Level & Crown (Abrichten und Neuabrunden der Bünde), bei stark abgespielten oder bereits mehrfach abgerichteten Bünden führt kein Weg an einer kompletten Neubundierung vorbei.

Bundgrößen erklärt: 6100, 6105, Super Jumbo & Co.

Bundwire wird industrieweit über Bezeichnungen wie 6100, 6105 oder 6150 katalogisiert – Nummern, die auf den ersten Blick kryptisch wirken, aber eigentlich nur Breite und Höhe des Bundprofils in tausendstel Zoll beschreiben. Die gängigsten Größen im Überblick:

  • 6100 / „Super Jumbo“ – sehr breit und sehr hoch, das größte gängige Bundprofil. Ermöglicht extrem leichte Bendings und ein fast schwebendes Spielgefühl, da die Saite kaum das Griffbrett berührt. Beliebt bei Shred- und Metal-Gitarristen, häufig bei Suhr, Charvel und modernen Superstrat-Bauarten anzutreffen
  • 6105 / „Medium Jumbo“ – ähnlich breit wie das 6100er-Profil, aber deutlich niedriger. Gilt als exzellenter Kompromiss zwischen Spielkomfort und kontrolliertem, präzisem Anschlag – Standard bei vielen modernen PRS- und Fender-Modellen
  • 6150 – schmaler und mittelhoch, klassisches „Medium Jumbo“-Profil vieler Gibson- und Vintage-Fender-Modelle mit warmem, rundem Spielgefühl
  • Vintage-Bünde (z. B. 6130) – schmal und flach, wie in den 50er- und 60er-Jahren üblich. Erfordern präziseres Greifen, gelten dafür als besonders authentisch für Vintage-Fender-Fans

Wichtig zu wissen: Es gibt keine „beste“ Bundgröße – nur die, die zum eigenen Spielstil passt. Wer viel bendet und lead-orientiert spielt, profitiert meist von hohen, breiten Profilen wie 6100. Wer eher rhythmusorientiert und mit klassischer Anschlagstechnik spielt, kommt mit niedrigeren Profilen oft präziser zurecht.

Nickel Silver vs. Edelstahlbünde – der große Unterschied

Neben der Größe entscheidet vor allem das Material über Klang, Spielgefühl und Lebensdauer:

  • Nickel Silver (Neusilber) – der klassische Standard bei den meisten Serieninstrumenten. Angenehm warmes Spielgefühl, aber vergleichsweise weich und dadurch anfälliger für Bundabnutzung, besonders bei intensivem Spiel mit gewickelten Saiten
  • Edelstahlbünde (Stainless Steel) – deutlich härteres Material, das der Abnutzung ein Vielfaches länger standhält. Zusätzlich sorgt die glattere, härtere Oberfläche für minimal weniger Reibung beim Bending und einen tendenziell etwas brillanteren, klareren Ton in den Höhen

Der Nachteil von Edelstahlbünden: Sie sind schwieriger zu verarbeiten als Neusilber, weshalb eine fachgerechte Neubundierung mit Edelstahl in der Regel teurer ist. Wer allerdings viel und regelmäßig spielt, spart sich damit über die Jahre mehrere kostenpflichtige Bundabrichtungen – die Investition rechnet sich also häufig.

Für wen lohnen sich Edelstahlbünde?

Edelstahlbünde sind besonders sinnvoll für:

  • Gitarristen, die ihr Instrument sehr häufig spielen (Live-Musiker, Studiomusiker, Vielspieler)
  • Spieler mit aggressivem Anschlag oder viel Bending-Technik
  • Besitzer von Boutique- und Custom-Shop-Instrumenten, bei denen der Werterhalt und die Langlebigkeit eine größere Rolle spielen
  • Alle, die eine minimal glattere, schnellere Bespielbarkeit schätzen

Für Gelegenheitsspieler oder Sammler, die ihre Gitarren eher selten aus dem Koffer holen, ist der Unterschied dagegen meist zu vernachlässigen – hier tut klassisches Nickel Silver seinen Dienst über Jahrzehnte.

Fret Level vs. Neubundierung – was ist wann nötig?

Nicht jede Unebenheit erfordert gleich neue Bünde. Ein erfahrener Gitarrenbauer prüft zunächst, wie viel „Fleisch“ die vorhandenen Bünde noch haben:

  • Fret Level & Crown: Die Bünde werden plangeschliffen und neu abgerundet – möglich, solange genug Material vorhanden ist. Günstigere, schnellere Lösung
  • Neubundierung (Refret): Alle Bünde werden entfernt und durch neue ersetzt – notwendig bei starker Abnutzung, tiefen Kerben oder wenn man gleich auf ein anderes Profil bzw. auf Edelstahl wechseln möchte

Bei LKG Guitars prüfen wir jedes gebrauchte Instrument vor dem Verkauf persönlich – inklusive Bundzustand – und weisen ehrlich darauf hin, wenn in absehbarer Zeit eine Bundpflege ansteht.

Passende Instrumente bei LKG Guitars entdecken

Modelle mit besonders hochwertiger Bundverarbeitung und teils werkseitigen Edelstahlbünden findet ihr unter anderem bei Suhr Guitars und bei PRS. Zwar selten aber die Joes Walsh Signature hat Edelstahlbünde. Wer den klassischen Vintage-Charakter mit schmalerem Bundprofil bevorzugt, wird eher bei Fender Custom Shop fündig obwohl Fender mittlerweile sehr viel das Format 6105 verbaut. Die schmalen Vintage Bünde werden meistens nur auf Wunsch montiert oder bei streng limiterten Repliken aus den 50 ´ziger Baujahr.

FAQ – Häufige Fragen zu Gitarrenbünden

Wie lange halten Gitarrenbünde?
Bei normalem Spielgebrauch halten Nickel-Silber-Bünde je nach Spielintensität mehrere Jahre bis Jahrzehnte, bevor ein Fret Level nötig wird. Edelstahlbünde halten deutlich länger, oft ein Vielfaches.

Was bedeutet die Zahl bei Bundwire wie 6100 oder 6105?
Es handelt sich um Herstellerbezeichnungen (ursprünglich von Dunlop geprägt, mittlerweile branchenweit als Referenz genutzt), die Breite und Höhe des Bundprofils in tausendstel Zoll klassifizieren – die erste Ziffer nach der 61 steht dabei grob für die Höhe.

Kann man nachträglich auf Edelstahlbünde umrüsten?
Ja, ein Refret auf Edelstahlbünde ist bei den meisten Gitarren problemlos möglich und eine beliebte Aufwertung bei Instrumenten, die ohnehin ohnehin eine Neubundierung benötigen.

Beeinflussen Edelstahlbünde den Klang?
Ja, minimal – viele Spieler beschreiben den Ton mit Edelstahlbünden als etwas klarer und höhenreicher im Vergleich zu Nickel Silver, der Unterschied ist aber subtil und kein Ersatz für Holz- oder Pickup-Charakter.


Fragen zu Bundzustand, Bundgröße oder einer möglichen Neubundierung bei einem unserer Instrumente? Ruft uns gerne an: 0152 33688591.