Yngwie Malmsteen – der Mann, der die Gitarre mit Paganini verheiratet hat

Am 18. September 1970 starb Jimi Hendrix in London. In Stockholm saß ein siebenjähriger Junge namens Lars Johan Yngve Lannerbäck vor dem Fernseher und sah die Nachricht. Er weinte tagelang im Zimmer seiner Mutter. Und dann griff er zur Gitarre.

Dieser Junge würde sich später Yngwie Malmsteen nennen – und er würde die Gitarre so spielen, wie sie bis dahin noch niemand gespielt hatte. Nicht schneller als alle anderen, obwohl er das auch war. Nicht mit mehr Technik als alle anderen, obwohl er das ebenfalls war. Sondern mit einem Klangkonzept, das Niccolò Paganini und Johann Sebastian Bach in ein Instrument holte, das bis dahin von Pentatonik und Blues dominiert wurde.

Das ist die Geschichte von Yngwie Malmsteen.


Stockholm, 1963 – die Entstehung eines Genies

Lars Johan Yngve Lannerbäck wurde am 30. Juni 1963 in Stockholm geboren, als drittes Kind einer musikalisch begabten Familie. Mit zehn Jahren änderte er seinen Nachnamen zu Malmsteen – den Mädchennamen seiner Mutter, leicht modifiziert – und anglisierte seinen Vornamen Yngve zu „Yngwie“. Er hörte auf, zur Schule zu gehen. Stattdessen spielte er Gitarre. Stundenlang. Täglich. Er schlief mit der Gitarre ein.

Seine frühen Einflüsse waren Jimi Hendrix – dem er seine Karriere gewissermaßen verdankte – und Ritchie Blackmore von Deep Purple, der als erster Rockgitarrist systematisch klassische Harmoniestrukturen in sein Spiel integriert hatte. Aber es war Blackmores klassische Verwandtschaft, die Yngwie am meisten anzog. Seine Schwester zeigte ihm Bach. Er entdeckte Vivaldi. Dann Paganini – den Teufelsgeiger des 19. Jahrhunderts, der Dinge auf der Violine spielte, die seine Zeitgenossen für unmöglich hielten. Yngwie hörte diese Musik und dachte: Das ist es. Das will ich auf der Gitarre machen.


Die 17. Jahrhundert Laute und das Scalloped-Griffbrett

Als Teenager arbeitete Yngwie für eine Zeit in einer Gitarrenreparaturwerkstatt in Stockholm. Eines Tages kam eine Laute aus dem 17. Jahrhundert ins Geschäft. Yngwie betrachtete den Hals dieser Laute und bemerkte etwas Ungewöhnliches: Das Holz zwischen den Bünden war ausgehöhlt. Die Bünde ragten als Erhebungen aus einem vertieften Griffbrett heraus. Er hatte noch nie so etwas gesehen.

Er nahm ein altes Instrument, scalloped das Griffbrett auf dieselbe Weise – und war sofort begeistert. Das ausgeholte Griffbrett ermöglichte ihm, die Saiten mit minimaler Reibung zu berühren und maximale Kontrolle über Bendings und Vibratos zu gewinnen. Das Spielen war schwieriger. Die Ergebnisse waren außergewöhnlich.

Fortan spielte Yngwie Malmsteen ausschließlich auf Scalloped-Griffbrettern. Es wurde zu seinem persönlichsten Markenzeichen – und zu einem der meistkopierten Gitarren-Modifikationen der Geschichte.


Die Stratocaster – warum kein anderes Instrument in Frage kam

Yngwie Malmsteen spielt Fender Stratocasters. Nicht wegen des Klangs allein – obwohl der Strat-Ton mit seinen singing Höhen und der natürlichen Brillanz ideal für klassisch inspiriertes Melodiespiel ist. Nicht wegen der Optik. Sondern wegen der Halskonstruktion.

Die Stratocaster-Kopfplatte ist an einer bestimmten Stelle am Hals befestigt, die Yngwie für das Spielen auf hohem Niveau bevorzugt. Das Tremolostystem der Strat – das er bevorzugt im festgeklebten Zustand verwendet, also ohne Tremolofunktion – gibt dem Instrument ein Sustain, das er für sein Spiel braucht. Und das Scalloped-Griffbrett lässt sich auf einem Strat-Hals besser realisieren als auf fast jedem anderen Instrument.

Seine bevorzugten Exemplare: Vintage Fender Stratocasters aus den Jahren 1968 bis 1972 – die „Pre-CBS“ Ära hat ihn weniger interessiert als die frühen Norlin-Strats, die er für die charakteristische Halsdicke und den Klang dieser spezifischen Jahrgänge schätzt. Dazu kommen DiMarzio YJM und HS-3 Pickups – letztere ein hum-cancelling Single-Coil, der Singlecoil-Charakter liefert, ohne das Brummen, das auf einer Metal-Bühne stört.

Seit 1986 produziert Fender die Yngwie Malmsteen Signature Stratocaster – mit dem Scalloped-Griffbrett, dem Vintage-Hals und den DiMarzio-Pickups als Serienausstattung. Sie ist bis heute eines der meistgekauften Signature-Modelle, die Fender je produziert hat.


1983 – die Ankunft in Amerika

1983 schickte Yngwie ein Demo-Tape nach Amerika. Mike Varney vom Shrapnel Records-Label hörte es – und war so beeindruckt, dass er Yngwie sofort nach Los Angeles einlud. Yngwie war zwanzig Jahre alt, sprach kaum Englisch, und spielte Gitarre so, dass Musiker, die ihn beim ersten Mal hörten, die Bände stehen ließen und einfach zuhörten.

Er spielte zunächst bei Steeler, dann bei Alcatrazz – einer Band, die ihn unter anderem mit dem Sänger Graham Bonnet zusammenbrachte. Das Live-Album „No Parole from Rock ’n‘ Roll“ aus dieser Zeit zeigt, was Yngwie auf einer Bühne leistete: eine Virtuosität, die nichts Vergleichbares in der Rockmusik kannte. Kritiker waren sprachlos. Gitarristen weltweit versuchten, das Gehörte zu transkribieren – und kamen zu dem Schluss, dass sie noch mehr üben mussten.


Rising Force (1984) – das Album, das alles veränderte

1984 verließ Yngwie Alcatrazz und gründete seine eigene Band: Yngwie J. Malmsteen’s Rising Force. Das gleichnamige Debütalbum erschien im selben Jahr – und war ein Schock für die Gitarrenwelt.

Nicht wegen der Geschwindigkeit allein, obwohl die Arpeggios und Skalen auf „Black Star“ und „Far Beyond the Sun“ in einer Geschwindigkeit gespielt wurden, die kein anderer Gitarrist auf Platte reproduziert hatte. Sondern wegen der harmonischen Tiefe. Yngwie spielte Bach-inspirierte Kontrapunkte, Paganini-artige Kapriolen, Vivaldi-Harmoniken – auf einer Stratocaster, durch einen Marshall-Verstärker, in einem Heavy-Metal-Kontext. Das war neu. Das war unmöglich. Das war Yngwie Malmsteen.

„Rising Force“ wurde von Guitar Player Magazine als eines der wichtigsten Gitarrenalben des Jahrzehnts ausgezeichnet. Vier Alben von 1984 bis 1988 – „Rising Force“, „Marching Out“, „Trilogy“ und „Odyssey“ – erschienen alle in den Top 100 der US-Charts. „Odyssey“ (1988) war sein kommerziell erfolgreichstes Album, angeführt von der Single „Heaven Tonight“.


1987 – der Jaguar, der Unfall, das Koma

1987 war das schwierigste Jahr in Yngwies Leben. Er crashte seinen Jaguar E-Type V12 gegen einen Baum in Los Angeles – und lag eine Woche lang im Koma. Die Ärzte befürchteten dauerhafte Nervenschäden an seiner rechten Hand. In derselben Zeit starb seine Mutter in Schweden an Krebs.

Dass Yngwie danach zurückkam – mit seiner Technik intakt, mit seinem Stil unverändert, mit einer Energie, die eher größer als kleiner geworden zu sein schien – ist eines der bemerkenswertesten Comebacks der Gitarrengeschichte. „Odyssey“ erschien im April 1988, kaum ein Jahr nach dem Unfall.


Der Sohn, der Antonio heißt

Yngwie Malmsteen ist seit 1999 mit April Malmsteen verheiratet, die einen Großteil seiner Karriere managt. Ihr gemeinsamer Sohn heißt Antonio – benannt nach Antonio Vivaldi, dem venezianischen Barockkomponisten, dessen Violinkonzerte zu Yngwies zentralen Inspirationsquellen gehören. Es gibt kaum ein klareres Statement über die Ernsthaftigkeit, mit der Yngwie seine klassische Verwandtschaft versteht, als die Wahl des Namens für seinen Sohn.


Über vierzig Jahre und kein Anzeichen von Müdigkeit

Yngwie Malmsteen hat über dreißig Studioalben veröffentlicht – und keines davon klingt nach einem Musiker, der müde ist. 2019 erschien „Blue Lightning“ – ein Blues-Rock-Album, das zeigte, dass Yngwie auch in einem Genre überzeugend ist, in dem Zurückhaltung mehr zählt als Geschwindigkeit. 2021 erschien „Parabellum“ – sein härtestes und aggressivstes Album seit Jahren. Er tourt weltweit, spielt nach wie vor mit derselben körperlichen Präsenz auf der Bühne, die ihn in den 80ern berühmt gemacht hat.

Was ihn von allen anderen Gitarristen seiner Generation unterscheidet – und warum er auch heute noch relevant ist – hat er selbst am besten beschrieben: Er hört nie auf zu üben. Er hört nie auf zu lernen. Und er glaubt nicht daran, dass man gut genug ist. Das ist die Einstellung eines Schülers. Und das ist das Geheimnis eines Meisters.


Was Yngwie Malmsteen für die Gitarrenwelt bedeutet

Yngwie Malmsteen hat das Scalloped-Griffbrett in die Rockmusik gebracht. Er hat das Sweep-Picking-Arpeggio als Standard-Technik etabliert. Er hat bewiesen, dass klassische Harmonie und Heavy Metal keine Widersprüche sind, sondern natürliche Partner. Und er hat eine ganze Generation von Gitarristen inspiriert – von Rivers Cuomo von Weezer bis zu Paul Gilbert, von Jason Becker bis zu Marty Friedman –, die alle auf seine Schultern stehen.

Ob man seine Musik mag oder nicht, ist eine persönliche Frage. Dass er die Gitarre grundlegend und dauerhaft verändert hat, ist keine.


Gitarren und Amps bei LKG Guitars

LKG Guitars führt handverlesene Premium-Instrumente für Spieler, die wissen, was sie wollen. Persönliche Beratung durch Ludwig Klingelhöfer.

Alle Gitarren: Alle Gitarren bei LKG Guitars

Fender Custom Shop: Fender Custom Shop bei LKG Guitars

Alle Malmsteen Gitarren findet man hier auf der Seite von LKG-Guitars.

Kontakt: 0152 / 33688591


Text: LKG Guitars – Finest Guitars and Amps | Kontakt: Ludwig Klingelhöfer, 0152 / 33688591