Die bekanntesten Studiomusiker LA Nashville – die Männer und Frauen hinter den Hits, die du täglich hörst

Wenn du „Good Vibrations“ von den Beach Boys hörst, hörst du nicht die Beach Boys. Du hörst Tommy Tedesco, Carol Kaye, Hal Blaine und zwei Dutzend weitere Profis, die in einem Studio in Hollywood eine Spur einspielten, die Brian Wilson in seinem Kopf bereits fertig gehört hatte. Wenn du „I Walk the Line“ von Johnny Cash hörst, hörst du Chet Atkins, der hinter den Kulissen die Gitarren der gesamten frühen Country-Ära mitgeprägt hat. Wenn du „Wichita Lineman“ hörst, hörst du Glen Campbell – bevor die Welt wusste, wer Glen Campbell war.

Studiomusiker sind die unsichtbare Infrastruktur der Popmusikgeschichte. Sie haben keine Fanbase aufgebaut, keine Tourneen gemacht, keine Interviews gegeben. Sie sind morgens um acht ins Studio gegangen, haben drei Sessions an einem Tag gespielt, und abends waren ihre Gitarren auf Aufnahmen, die Millionen Menschen bewegten – ohne dass irgendjemand wusste, wer sie waren.

Das war ihr Job. Und sie haben ihn besser gemacht als jeder, der seinen Namen auf dem Album stehen hatte.


Los Angeles – die Wrecking Crew und das Ende des Jazz-Studios

In den frühen 1960ern veränderte sich die Studiolandschaft in Los Angeles grundlegend. Die ältere Generation von Studiomusikern – Jazz-ausgebildet, lesefähig, konservativ im Sound – wurde von einer Gruppe jüngerer Spieler abgelöst, die schneller, flexibler und rockiger waren. Die alte Garde nannte sie abfällig die „Wrecking Crew“ – die Wrecking Crew würde die Musikindustrie zerstören, so die Befürchtung. Stattdessen erschufen sie sie neu.

Die genaue Besetzung der Wrecking Crew wechselte ständig – es war keine Band, sondern ein Pool von vielleicht dreißig bis vierzig Spielern, die je nach Session zusammenkamen. Aber es gab einen harten Kern, ohne den fast nichts ging:

Hal Blaine am Schlagzeug – reputed über 140 Top-10-Hits, darunter etwa 40 Nummer-Eins-Singles. Blaine hat den Takt für Frank Sinatra, die Mamas & the Papas, Simon & Garfunkel, die Carpenters, The 5th Dimension und John Denver gesetzt. Gleichzeitig und nacheinander, manchmal am selben Tag.

Carol Kaye an Bass und Gitarre – eine der wenigen Frauen in diesem Umfeld, und eine der produktivsten Spielerinnen der Geschichte. „Carol spielte bei ‚Good Vibrations‘ und ‚California Girls‘, und sie war wie der Star der Show“, sagte Brian Wilson. Kaye war auf Aufnahmen von Ray Charles, Joe Cocker, Sam Cooke, den Supremes, den Temptations, Stevie Wonder und Sonny & Cher. Ihr Hauptinstrument: ein Fender Jazz Bass, den sie bis zur Unkenntlichkeit modifiziert hatte.

Tommy Tedesco an der Gitarre – Guitar Player Magazine beschrieb ihn einmal als „den meistaufgenommenen Gitarristen der Geschichte“. Tedesco spielte auf Aufnahmen von Frank Sinatra, Barbra Streisand, Elvis, den Beach Boys, Cher, Frank Zappa und Ella Fitzgerald. Er lieferte Filmmusik für „Jaws“ und „The Deer Hunter“ und spielte die Titelthemen von Batman, Bonanza und Starsky & Hutch ein. Sein Lieblingsarsenal: Gibson ES-335, Gibson ES-175, diverse Telecaster-Varianten, und für die exotischeren Anforderungen Bouzouki, Mandoline und Sitar.


Tommy Tedesco – der Mann, den keiner kannte

Tommy Tedesco ist das vollständigste Bild dessen, was ein Studiomusiker dieser Ära war. 15-Stunden-Tage waren keine Ausnahme. Tedesco wechselte an einem einzigen Tag zwischen Schallplatten-Sessions, Werbe-Jingles und Filmmusik. Er tauchte bei einer Session als Pfadfinder verkleidet auf. Er spielte alles, was Saiten hatte – Gitarre, Ukulele, Mandoline, Sitar, Bouzouki – und er spielte es beim ersten Take.

Sein Sohn Denny Tedesco drehte 2008 den Dokumentarfilm „The Wrecking Crew“, der dieser Generation endlich die Anerkennung brachte, die sie zu Lebzeiten kaum erhalten hatte. Der Film zeigt, was passiert, wenn Musiker besser sind als die Bands, deren Namen auf den Platten stehen – und wie die Musikindustrie jahrzehntelang davon profitierte, dass niemand wissen musste, wer wirklich spielte.


Glen Campbell – von der Wrecking Crew zur Bühne

Kaum jemand verkörpert den Übergang vom anonymen Studiomusiker zum gefeierten Star so klar wie Glen Campbell. In der ersten Hälfte der 60er war er einer der begehrtesten Gitarristen Hollywoods – ein festes Mitglied der Wrecking Crew, das für die Beach Boys, Frank Sinatra, Elvis, die Monkees und Nat King Cole spielte. Er ersetzte zeitweise Brian Wilson auf den Beach-Boys-Tourneen, während Wilson im Studio an Pet Sounds arbeitete.

Dann erschien 1967 „Gentle on My Mind“ – und Glen Campbell war plötzlich kein Studiomusiker mehr, sondern ein Star. Sein bevorzugtes Instrument: eine 12-saitige Ovation, die er für Bühnen-Auftritte nutzte, und eine breite Sammlung von Fender-Telecasern für Studio- und Bühneneinsatz. Sein Picking-Stil – außergewöhnlich präzise, mit einem technischen Fundament, das er aus tausenden Studio-Sessions mitbrachte – machte ihn zu einem der technisch versiertesten Gitarristen, die je in der Mainstream-Country-Musik aufgetreten sind.


Nashville – das A-Team und der Nashville Sound

Während Los Angeles die Wrecking Crew hatte, hatte Nashville sein eigenes System: das „A-Team“ – eine Gruppe von First-Call-Session-Profis, die den „Nashville Sound“ der 50er und 60er Jahre definierten und die Musik der Country-Hauptstadt für Jahrzehnte prägten.

Der Nashville Sound entstand als Reaktion auf den aufkommenden Rock’n’Roll. Producer Chet Atkins und Owen Bradley begannen, Country-Musik mit Streichern, Hintergrundchören und einem glätteren Sound zu produzieren – und brauchten dafür Musiker, die beides konnten: Country spielen und gleichzeitig die Flexibilität und Lesefähigkeit eines Jazz-Musikers mitbringen.


Chet Atkins – der Vater des Nashville Sound

Chet Atkins war gleichzeitig das wichtigste Mitglied des Nashville A-Teams und der Mann, der Nashville zu dem machte, was es heute ist. Als Produzent bei RCA Records hat er den Klang von Elvis Presley, The Everly Brothers, Dolly Parton, Perry Como und Waylon Jennings mitgeformt. Als Gitarrist war er derjenige, nach dem sich alle anderen Gitarristen in Nashville orientierten.

Sein Instrument: Gretsch-Gitarren, fast ausschließlich. Die Gretsch Country Gentleman und später die Gretsch Tennessean wurden als „Chet Atkins Modelle“ vertrieben – ein Instrument, das genau jenen warm-jazzigen, gleichzeitig twangy-country Ton lieferte, den Atkins so unverwechselbar machte. Sein Fingerpicking-Stil – Daumen für Bass, Finger für die Melodie, gleichzeitig – war ein Markenzeichen, das ganze Generationen von Nashville-Gitarristen beeinflusste.


Grady Martin – der unterschätzte Genius

Wenn Chet Atkins Nashville-Sound-Architekt war, war Grady Martin sein wichtigster Mitarbeiter auf der Gitarre. Martin war in den 50er und 60er Jahren auf mehr Nashville-Sessions zu hören als fast jeder andere – er spielte für Marty Robbins, Patsy Cline, Roy Orbison, Buddy Holly und Johnny Cash. Sein bekanntester Moment: auf Marty Robbins‘ „El Paso“ spielt er ein fuzz-artiges Gitarrensolo, das entstand, als ein defekter Kanal seines Verstärkers für einen unbeabsichtigten Zerreffekt sorgte. Statt die Aufnahme zu wiederholen, behielten sie es – und schufen damit einen der frühesten Fuzz-Sounds in der Popmusikgeschichte.

Martins Hauptinstrument: Fender Telecaster und Stratocaster, plus eine breite Sammlung älterer Archtop-Gitarren für die jazzigeren Anforderungen der Country-Sessions.


Brent Mason – der Mann, der Nashville in die Gegenwart führte

Wenn die Geschichte des Nashville-Sound einen Übergang von der klassischen Ära in die moderne Zeit hat, dann trägt dieser Übergang den Namen Brent Mason. Mason ist auf über 1.000 Major-Label-Alben zu hören, hat Hunderte von Billboard-Nummer-Eins-Hits eingespielt, und hat den ACM-Preis für „Gitarristen des Jahres“ zwölf Mal gewonnen – eine Zahl, die für sich selbst spricht.

Seine Credits: Alan Jackson, Blake Shelton, Reba McEntire, Garth Brooks, George Strait – und gleichzeitig Jingles für Dodge, Ford und die Eröffnung von Monday Night Football. Mason spielte auf Filmmusiken und TV-Soundtracks von „Friends“ über „Home Alone“ bis zu „The Dukes of Hazzard“.

Sein Hauptinstrument ist eine Fender Telecaster – er ist so sehr mit diesem Instrument verbunden, dass Fender 2020 die Brent Mason Signature Telecaster produzierte. Das Modell trägt einen modifizierten Hals-Pickup-Schaltkreis und spezifische Feinheiten, die aus Masons jahrzehntelangem Session-Einsatz entstanden sind. Für bestimmte Sessions greift Mason auch zur Gibson Les Paul – wie auf der Nashville-Trax-Aufnahme dokumentiert, wo er trotz seines Telecaster-Rufs mit einer LP arbeitet, „wenn die Session es fordert“.


James Burton – Telecaster, Paisley Red, und zwei Karrieren

James Burton ist einer der wenigen Studiomusiker, die in beiden Städten eine entscheidende Rolle spielten – und auf beiden Küsten hinterließen. Als Session-Gitarrist in LA war er Teil der Wrecking Crew. Als Live-Gitarrist für Elvis Presley wurde er zu einer Ikone. Als Studiomusiker für Ricky Nelson ab 1957 – er war damals 18 Jahre alt – definierte er einen Picking-Stil, den Nashville-Gitarristen bis heute „Chicken Pickin'“ nennen.

Seine Lieblingswaffe: eine Fender Telecaster, in der berühmten Paisley-Red-Lackierung, die er während seiner Elvis-Jahre spielte. Diese Gitarre wurde so ikonisch, dass Fender sie als limitiertes Modell mehrfach neu auflegte. Heute ist James Burton im Rock and Roll Hall of Fame und in der Musicians Hall of Fame – aber in beiden Fällen hat man ihn mehr für das geehrt, was er für andere spielte, als für das, was er selbst aufnahm.


Die Instrumente, die den Studio-Sound machten

Was spielten die besten Studiomusiker der Welt – und warum? Die Antwort ist überraschend konsistent:

Fender Telecaster: Das bevorzugte Werkzeug des Nashville-Session-Gitarristen schlechthin. Direkt, klar, mit einem Anschlag, der auf Bandmaschinen-Aufnahmen sofort durchkommt. Brent Mason, James Burton, Grady Martin – sie alle griffen zur Tele, wenn der Job es verlangte.

Gibson ES-335 und ES-175: Das Studio-Jazz-Werkzeug der LA-Profis. Tommy Tedesco war für seine ES-335 bekannt. Barney Kessel spielte die ES-175. Wer in den 60ern in Hollywood einen Jazz-Ton brauchte, griff zu einem Gibson-Archtop.

Gretsch Country Gentleman und Tennessean: Die Chet-Atkins-Instrumente, die den Nashville Sound der 50er und 60er definierten. Der warme, leicht jazzige Ton dieser Gitarren ist in Hunderten von Country-Klassikern dieser Ära zu hören.

Fender Stratocaster: Vielseitig genug für alles, was Telecaster und Archtop nicht abdeckten. Grady Martin verwendete sie für die cleaneren Country-Sounds. In LA diente sie als Allzweck-Waffe für alles, was Rock brauchte.

Fender Bass und Carol Kaye: Carol Kayes modifizierter Fender Jazz Bass ist vielleicht die meistgehörte Bassgitarre der Popgeschichte – auf mehr Platten zu hören als jedes andere einzelne Instrument, gespielt von einer einzigen Person.


Was diese Musiker wirklich besonders machte

Die Instrumente erklären nicht alles. Was LA und Nashville zu den kreativsten Studio-Umgebungen der Musikgeschichte machte, war etwas anderes: eine Kultur der professionellen Selbstvergessenheit.

Ein Studiomusiker spielte nicht für sich. Er spielte für den Song. Er spielte für den Künstler, dessen Name auf der Platte stand. Er spielte für den Producer, der eine Idee im Kopf hatte, aber nicht wusste, wie er sie ausdrücken sollte. Das erforderte eine Kombination aus technischer Meisterschaft, musikalischem Einfühlungsvermögen und der Bereitschaft, das Ego komplett auszuschalten – und gleichzeitig beim ersten Take so gut zu sein, dass der Producer nicht zweifeln musste.

Grady Martin sagte es einmal so: „Du spielst nicht, was du spielen willst. Du spielst, was der Song braucht.“ Das ist die einfachste Beschreibung eines Berufs, der keine einfache Beschreibung hat.


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