Fender Custom Shop Geschichte – wie alles begann– zwei Männer, ein winziger Raum und eine Firma am Abgrund
Heute ist der Fender Custom Shop ein Synonym für die besten Instrumente, die Fender überhaupt baut. Masterbuilder mit eigenen Signature-Linien, jahrelange Wartelisten für bestimmte Builds, Instrumente, die auf dem Gebrauchtmarkt das Zehnfache ihres Neupreises erzielen. Was kaum jemand weiß: Diese gesamte Institution begann am 15. Mai 1987 mit genau zwei Männern, einem winzigen Raum, den sie selbst „die Bowling-Bahn“ nannten – und einer einzigen, umgebauten Holzfräse.
Die Geschichte, wie es dazu kam, ist eine der besten, die die Gitarrenwelt zu bieten hat. Sie beginnt nicht mit einem Erfolg. Sie beginnt mit einer Firma, die kurz vor dem Untergang stand.
1984: Fender stirbt fast
Fast 20 Jahre lang – seit 1965 – gehörte Fender dem Medienkonzern CBS. Viele Gitarristen waren überzeugt: CBS interessierte sich mehr für Gewinnmargen als für gute Gitarren. Die Qualität litt sichtbar, der Ruf der Marke bröckelte, die Verkaufszahlen fielen. Am Ende der CBS-Ära stand Fender kurz vor der Auflösung.
Am 1. Februar 1985 verkündete CBS den Verkauf von Fender Musical Instruments an eine Investorengruppe um Bill Schultz. Die neuen Eigentümer gründeten die Fender Musical Instruments Corporation (FMIC) und mussten faktisch von null beginnen – das alte Werk in Fullerton war nicht Teil des Verkaufs, eine neue Fabrik musste in Corona, Kalifornien, aufgebaut werden. Zunächst ging es nur ums Überleben: Standardmodelle wieder zum Laufen bringen, Kunden zurückgewinnen, schwarze Zahlen schreiben.
Doch CEO Bill Schultz wollte mehr als nur überleben. Er wollte der Gitarrenwelt zeigen, wie gut eine Fender wieder sein konnte.
Der Mann, der zweimal ging und zweimal zurückkam
Um diese Vision umzusetzen, brauchte Schultz die richtigen Leute. Einer von ihnen war bereits einmal bei Fender gewesen – und hatte das Unternehmen wieder verlassen.
John Page hatte 1978, im Alter von gerade einmal 21 Jahren, als einfacher Hals-Polierer am Fließband in der alten Fullerton-Fabrik angefangen. Schon bald wurde er zum Modellbauer in der Forschungs- und Entwicklungsabteilung befördert – und mit nur 23 Jahren arbeitete er bereits als Gitarrendesigner direkt an der Seite von Freddie Tavares, dem legendären Mitentwickler der Stratocaster persönlich. Tavares behandelte den jungen Page beinahe wie einen Sohn.
Ende Januar 1986 verließ Page Fender, um sich ein Jahr lang seiner Musik zu widmen. Doch im November desselben Jahres meldete er sich wieder – er brauchte einen neuen Job und rief seinen alten Kontakt Dan Smith an, FMIC-Vizepräsident, um nach offenen Stellen zu fragen.
Der zweite Mann kam aus einer völlig anderen Welt: Michael Stevens, ein erfahrener Gitarrenbauer, der seine Karriere 1967 bei Guitar Resurrection in San Francisco begonnen hatte und seit 1978 in seiner eigenen Werkstatt in Austin, Texas, für Musiker wie die Vaughan-Brüder, Albert King und Eric Johnson gebaut hatte – Künstler, die wussten, was eine wirklich gute Gitarre ausmacht.
Die Bowling-Bahn
Im Januar 1987 fanden sich Page und Stevens zusammen, um Fenders Custom Shop offiziell ins Leben zu rufen. Was sie vorfanden, war alles andere als glamourös: ein schmaler, langer Raum innerhalb der Corona-Fabrik, den die beiden wegen seiner Form scherzhaft „die Bowling-Bahn“ nannten. Ihre einzige Maschine: eine modifizierte Haas-VF4-CNC-Fräse, die ursprünglich nicht für Holzbearbeitung gedacht war, aber so umgerüstet wurde, dass sie gleichzeitig drei Korpusse oder vier Hälse fräsen konnte.
Das war die gesamte Ausstattung des Fender Custom Shops am Tag seiner offiziellen Eröffnung: zwei Männer, ein Raum, eine Maschine.
Der allererste fertige Auftrag, den Michael Stevens im Sommer 1987 baute, war eine Esquire für seinen Freund Jimmy Wallace. Kurz darauf, im Februar 1987 in Auftrag gegeben und im Juli desselben Jahres ausgeliefert, entstand eine ’57-Style Ash Stratocaster mit Bird’s-Eye-Hals für Elliot Easton von The Cars – eine Gitarre, die als die erste „echte“ Custom-Shop-Bestellung in die Geschichte einging, mit der Seriennummer „0008“.
„Wir hatten so wenige Wände, dass wir praktisch alle im selben Raum waren“
Was Page von Anfang an wollte, war kein teurer Reparaturservice und keine Vitrine für Sammler. Er sah den Custom Shop als das, was Fender an seinem allerbesten Tag leisten konnte – einen Ort, an dem Künstler genau das bekamen, was sie brauchten, egal wie ungewöhnlich der Wunsch war.
Innerhalb der ersten Jahre stellte Page ein Team zusammen, das heute liest wie eine Ruhmeshalle des Gitarrenbaus: Fred Stuart, Art Esparza, John English, J.W. Black, Larry Brooks, Jason Davis – und ein junger Mann namens John Suhr.
Ja, genau jener John Suhr, dessen Name heute für eine der angesehensten unabhängigen Gitarrenmarken der Welt steht – Instrumente, die wir bei LKG Guitars selbst führen. Bevor John Suhr seine eigene Firma gründete, lernte er sein Handwerk genau dort, in diesem kleinen, fast wandlosen Komplex in Corona.
Von Eric Clapton bis Yngwie Malmsteen – die Kundenliste, die alles veränderte
Nach den ersten Aufträgen für Eric Johnson und Eric Clapton begannen Stevens und Page, für eine kontinuierlich wachsende Liste von Künstlernamen zu bauen: Pete Townshend, David Gilmour, Yngwie Malmsteen, Elliot Easton, Cesar Rosas, Danny Gatton, Robert Cray, Waylon Jennings und viele weitere.
John Page erzählte später eine Anekdote, die zeigt, wie obsessiv manche dieser Aufträge waren: Elliot Easton besaß eine fast unbezahlbare original ’62er oder ’63er Burgundy-Mist-Strat in Linkshänder-Ausführung. Er wollte sie spielen – aber er wollte das Original nicht riskieren. Also baute der Custom Shop ihm eine exakte Kopie. Das Ergebnis gefiel Easton so gut, dass er am Ende sein Original verkaufte und nur noch die Custom-Shop-Version spielte.
1988/89: Der Angriff auf Gibsons Heimterrain
Ende der 80er wagte der Custom Shop etwas, das es bei Fender vorher nie gegeben hatte: die LJ – Fenders allererstes amerikanisches Solidbody-Modell mit eingeleimtem Hals (Set-Neck), benannt nach Stevens‘ verstorbenem Freund Larry Jameson. Ein Modell mit Mahagoni-Korpus und Maple-Top, zwei Humbuckern – eine klare Kampfansage in Richtung Gibson, gebaut von einer Firma, die für genau das Gegenteil bekannt war.
Stevens schnitzte die Maple-Tops für dieses Modell zunächst in seiner eigenen Garage, weil im Custom Shop schlicht das passende Werkzeug fehlte. So improvisiert war diese Anfangszeit – und so wegweisend zugleich.
Relic – eine Idee, die „fast als Scherz“ begann
Eine der einflussreichsten Innovationen des Custom Shops entstand fast zufällig. Die Idee, Instrumente künstlich altern zu lassen – heute als „Relic“ weltberühmt – beschrieb John Page selbst als etwas, das „fast als Scherz begann, wie bei abgetragenen Levi’s-Jeans“. Was als unkonventionelles Experiment startete, wurde zu einer der bekanntesten und meistdiskutierten Produktlinien der gesamten Gitarrenindustrie – und prägt bis heute Fenders Custom-Shop-Programm.
1998: Das Ende einer Ära – und der Anfang vieler neuer
1997/98 übernahm Mike Eldred die Leitung des Custom Shops von John Page. Pages Abschied verlief leise – nach Jahren unterschiedlicher Auffassungen mit dem Management, insbesondere als der Custom Shop stärker in die Hauptfabrik integriert wurde, war für Page klar: Die ursprüngliche Vision wurde nicht mehr in derselben Form geteilt.
Page selbst baute danach das Fender Museum of Music and the Arts auf – eine 33.000 Quadratfuß große Einrichtung für kostenlose Musikbildung für Kinder – und gründete später, aus einer Werkstatt mitten im Wald in Oregon, seine eigene Gitarrenlinie.
Doch die Menschen, die er ausgebildet hatte, verschwanden nicht. John Suhr baute eine der weltweit angesehensten unabhängigen Gitarrenmarken auf. Todd Krause wurde zur Autorität für David-Gilmour-Spec-Instrumente. John Cruz produzierte einige der begehrtesten Artist-Modelle, die der Custom Shop je gebaut hat. Das gesamte Ökosystem des hochwertigen amerikanischen Gitarrenbaus läuft bis heute direkt durch die Kultur, die Page in jener „Bowling-Bahn“ 1987 etabliert hat.
Warum diese Geschichte heute noch wichtig ist
Wenn man heute eine Fender Custom Shop Gitarre in der Hand hält – sei es ein Masterbuilt-Instrument für mehrere tausend Euro oder ein Team-Built-Modell – hält man das direkte Ergebnis einer Kultur, die zwei Männer 1987 unter widrigsten Bedingungen geschaffen haben. Eine Firma, die kurz vor dem Aus stand, entschied sich nicht für den einfachsten Weg, sondern dafür, mit minimaler Ausstattung das Bestmögliche zu bauen – für Künstler, die alles verlangten, und für eine Vision, die bis heute nachwirkt.
Der Fender Custom Shop ist deshalb mehr als eine Produktlinie. Er ist der lebende Beweis dafür, dass aus einer Firmenkrise heraus, mit zwei engagierten Menschen und einer umgebauten Säge, etwas entstehen kann, das eine ganze Branche prägt.
Fender Custom Shop bei LKG Guitars
LKG Guitars ist autorisierter Fender Custom Shop Händler. Wir führen Masterbuilt- und Team-Built-Instrumente mit persönlicher Beratung durch Ludwig Klingelhöfer – und, passend zu dieser Geschichte, auch Instrumente von John Suhr selbst, der seine Laufbahn genau in jener „Bowling-Bahn“ begann.
Alle Fender Custom Shop Instrumente: Fender Custom Shop Kollektion bei LKG Guitars
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Kontakt: 0152 / 33688591
Text: LKG Guitars – Finest Guitars and Amps | Autorisierter Fender Custom Shop Händler | Kontakt: Ludwig Klingelhöfer, 0152 / 33688591
